Geschichte
Am Kurfürstendamm pulsiert das Leben, wenige Schritte
in die Wielandstr. hinein herrscht Beschaulichkeit. Hier hat
die Galerie Ludwig Lange ihr Domizil seit mehr als 25 Jahren.
Wie immer bei Ludwig Lange ist die Ausstellung selbst ein
Kunstwerk.
Darin sind die von klassischer Strenge oder antiker Sinnenfreude
geprägten Arbeiten zwar der wesentlichste Bestandteil,
es wird aber vor allem durch die Gestaltung des Raumes bestimmt.
Sofort wird man , kommt man in die Galerie , von jener Atmosphäre
eingefangen, die Akribie , Stil und Liebe des Sammlers verrät.
Wer ist dieser Ludwig Lange, der sich nicht als Galerist sieht
– auch wenn er immer nach jungen Begabungen Ausschau
hält – sondern als Kunst- händler?
Geboren wurde er 1931 als Lajos Lange in Budapest. Sein Vater,der
aus Galizien stammte, weigerte sich unter Horty die ungarische
Staatsbürgerschaft anzunehmen. Die Familie übersiedelte
nach Westpreußen. Vor der nahenden Front floh die Familie
ins Zentrum Deutschlands. Durch ein Stipendium kam der knapp
17jährige Lange nach Berlin, wo er 1945 schon das Kriegsende
erlebt hatte.
„Ich bekam auf abenteuerliche Weise den Vier-Sektoren-Pass,
und das bedeutete Zuzug. Den Pass habe ich noch.“
Der Ton, in dem er das erzählt, und seine Augen verraten
Erinnerung.
Lange spricht weiter von der ersten prägenden Begegnung
mit Bildhauerei.
Ein Leben passiert Revue, das von der Kunst geprägt wurde
und in der Galerie den Ausdruck fand.
Die Ausstellung, in der 20 führende deutsche Bildhauer
versuchten neue künstlerische Ausdrucksformen im figurativen
Porzellan auf unterschiedlichste Weise zu finden, war eine
faszinierende Erfahrung.
Nebenbei erwähnt er seine Passion „Sammeln“:
Buddhistische Sakralplastiken, Ägyptica, afrikanische
Kultmasken.
Was Ludwig Lange sagt, ist druckreif. Viele wären froh,
so schreiben zu können, wie er plaudert.
Er hat Kunst verinnerlicht, sie ist für ihn Lebensart
geworden.
Von seinen Künstlern spricht er in Episoden und Anekdoten:
Ludwig Kasper, den er nicht mehr kennengelernt hat, Grzimek,
Dittberner, Heiliger, Fussmann, Lichtner-Aix, Hanna Cauer
und Wieland Förster,
dessen Arbeiten er schon lange vor der Maueröffnung austellte.
Aber da sind auch junge Maler wie Christopher Lehmpfuhl.
Ludwig Lange beim Erinnern zuzuhören, ist im brechtschen
Sinne ein Vergnügen.
Seine Ausstellungen, jede hat ihre eigene Musik, sind es
ebenso.
Man wird geleitet und spürt es nicht, entdeckt wie unwillkürlich
die gezeigten Werke.
Auszug aus einem Interview mit Veit Stiller und Ludwig
Lange
„DIE WELT“ - FEUILLETON VOM 14. APRIL 2001
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