Ferdinand Springer
1907 Geboren am 01.Oktober in Berlin als Sohn eines Verlegers. Seine Mutter ist die Nichte des Schweizer Dichters Karl Spitteler.
1926 Beginn eines Studiums der Kunstgeschichte und der Philosophie an der Universität Zürich, das er zugunsten der Malerei aufgibt. Schüler bei
Carlo Carrà in Mailand. Reisen nach Sizilien und Tripolis.
1928 Übersiedelung nach Paris. Studium an der Acadèmie Ranson bei
Roger Bissière.
1932 Beschäftigt sich in Stanley William Hayters Atelier 17 intensiv mit der
Druckgraphik.
1935 Aufenthalt in Siena. In Paris Begegnung mit Wilhelm Uhde, der mehrere Gemälde Springers erwirbt.
1937 Reise in die USA.
1938 Reise nach London. Übersiedlung nach Grasse.
1939 Mit Hans Bellmer und Max Ernst im Lager „Les Milles“ bei Aix-en-
Provence und danach in Forcalquier interniert (November1939 – Mai 1940)
1940 Wird im Mai zu einer Ausländereinheit einberufen. Nach der Kapitulation Frankreichs am 21. Juni Rückkehr nach Grasse. Freundeskreis mit Hans und Sophie Arp, Sonia Delaunay, Alberto Magnelli, Francois Stahly.
1942 Flucht in die Schweiz, lebt in Bern und Iseltwald. Begegnung mit dem
Werk Paul Klees. Ausstellungs- und Verkaufsverbot durch die Schweizer
Behörden.
1945 Rückkehr nach Grasse. Beschäftigt sich während der folgende Jahre
ausschließlich mit Graphik.
1952 Lässt sich wieder in Paris nieder und wohnt seitdem abwechselnd in Paris und Grasse.
1955 Wiederaufnahme der Malerei.
1965 Reise nach Griechenland.
1967 Ernennung zum „Chevalier des Arts et des Lettres“ durch das Ministére des Affaires Culturelles, Paris.
Der vornehmste aller französischen Verleger, Gaston Gallimard, erteilt Springer den Auftrag zu Kupferstichen von Paul Valérys „Eupalinos“.
Es folgen zahlreiche Ausstellungen im In- Ausland.
Auszug eines Briefes von Ferdinand Springers an Ludwig Lange:
Kurz nach dem Einzug in unser kleines Landhaus in Grasse brach der Krieg aus und ich wurde – zusammen mit Max Ernst und Hans Bellmer – in das Lager Les Milles bei Aix interniert. Dort waren auch Golo Mann, Walter Benjamin, Lion Feuchtwanger, Walter Hasenclever sowie zwei Nobelpreisträger.
Bellmer und ich wurden zu Beginn des Jahres 1940 in eine Formation der französischen Armee einberufen. Wir kamen nach Meslay du Main (Nordfrankreich) und mussten dann nach dem Zusammenbruch Frankreichs drei Tage und drei Nächte zu Fuß vor dem Einzug der deutschen Truppen nach Angers (Loire ) flüchten, wo wir mit knapper Not einen Güterzug nach dem Süden erreichten, bevor die Loirebrücke gesprengt wurde.
Wir kamen über Toulouse in ein weiteres Lager nach St. Juery bei Albi, wurden demobilisiert und ich konnte wieder nach Grasse zurückkehren, das in der unbesetzten Zone lag. Dort trafen wir mit Arp, Sonia Delaunay und Magnelli zusammen.
Kurz vor der totalen Besetzung Frankreichs konnten meine Frau und ich 1942 in die Schweiz flüchten und fanden am Brienzer See in einem Bergdorf eine Unterkunft. Die Schweizer Behörden untersagten mir jeden Verkauf von Bildern und gestatteten keinerlei Ausstellungen. Es waren nur ganz kleine Formate von Bildern und Graphiken möglich und es entstanden die sechs Blätter zu Plathos Höhlengleichnis.
1945 konnten wir nach Hause zurückkehren, wiederum mittellos. Beim Grenzübergang möchte ich eine amüsante Begegnung erwähnen: Wir passierten die Zoll- und Passkontrolle in Gent. Da viele Rückwanderer mit Gepäck beladen waren, fanden sich ein paar junge Leute, die uns halfen. Ein rothaariger junger Mann trug uns eine Kiste und fragte, ob sie Bilder enthalte, Ich sagte, ich sei Maler, worauf er mir antwortete, dass sein Vater auch Maler sei, Ich fragte ihn nach seinem Namen - er hieß Picasso!
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